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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Articles
    Media Texts Photos Performance history Articles Interviews Reviews Portraits Texts by HG Anthologies Previous page Differenz und Identität Die Wiederholung in der Medientransformation in Das Musiktheater in den audiovisuellen Medien

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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Articles
    Beobachtungen und Gedanken die inmitten von Sprache Literatur Kunst Philosophie Psychologie Geschichte Medizin Politik oder Naturwissenschaften unendliche Leuchtfeuer setzen Der Schatten der unter dem Satz des Sicherfindens liegt ist jene vitale Obsession des Geistes die man fast schon Besessenheit nennen kann die den Menschen erst als solchen definiert treibt befähigt Ein Stuhl denkt nicht ist nicht vergleichbar einer Aussage wie ein Stuhl wächst nicht hier gibt es offenbar einen graduellen Übergang zum Fall des Menschen sagt Wittgenstein als Max Black Inkarnation des vierfachen Textgemisches Und etwas später fährt Black in Wittgensteins Stimmlage fort Könnte ein Vogel genau sagen was er singt warum er singt warum er das singt und was in ihm singt so würde er nicht singen Des Menschen Achillesferse ist nur er kann beides singen und sagen denn er wurde in einem göttlichen Einfall von Wahnsinn mit Sprache geschlagen Diese schaukelt das Denken wie jenes wiederum postwendend die lauthalse Sprache konstituiert In jedem Wort jedem Satzpartikel tönt dabei gleichzeitig die Archaik des Sprach und Denkvorganges mit der auf einer Bühne sichtbar gemacht werden kann Ich glaube so Goebbels daß in der Sprache also ihrer Syntax wie ihrem Klang jeder Text schon eine eigene Realität besitzt Auf der Bühne muß ich nicht verdoppeln was aus ihr bereits tönt und semantisch spricht Text in einer fremden unverständlichen Sprache lasse ich auf der Bühne stehen darin drücken sich Materialien aus Das Vage Unausgesprochene nicht zuende Geäußerte oder in einer fremden Artikulation Gesagte spielt dabei eine merkwürdig transportable gehaltvolle Rolle Mit zunehmender Annäherung an das Reale verliert man das Wort meint Valéry in seinen Notizen Die genaueste Beschreibung einer Tatsache eines Dinges speist sich oft aus den obskuren Dunkelzonen von diesem Wissen lebt unter anderem die Poesie Es kam Goebbels als er die Zitate der verschiedenen Textautoren zueinander montierte nicht auf das Aufzählen von unterschiedlichen Sichtweisen einer jeweils homogenen Figur an Vielmehr wollte er alle Vier zu einer in sich widersprüchlichen heterogenen Figur verschmelzen und eine Plausibilität gegenüber dem Darsteller der Rolle begründen Die Ausdifferenzierung wenn schon geschieht auf einer anderen Ebene Nämlich indem der Schauspieler André Wilms die drei Buchstaben C E und M an die Kulisse heftet corps esprit monde Aus dieser Ursuppe bestehend aus dem Körper der auch Stoff Element und Substanz bedeutet dem Geist welcher ebenfalls Verstand göttliche Kraft Einbildungskraft und Antrieb beinhaltet und der Welt die gleichzeitig Synonym für Weltall Menschheit und Gesellschaft ist erhebt sich nicht Venus die Schaumgeborene sondern die Figur des Denkers Max Black Vage erinnern diese drei Buchstaben an wissenschaftliche Formeln zum einen an Einsteins berühmtes e mxc² zum anderen an REM rapid eyes movement die schnellen Augenbewegungen die die Tiefschlafphase des menschlichen Traumes bezeichnen Zwei gegensätzliche Pole des Denkens werden kurz eingeblendet einerseits die klare analytische Rationalität und andererseits die dunkle unbewußte Intuition Vagheit finde ich im Theatervorgang unglaublich stimulierend und anregend Mich interessiert nicht wenn alles vorhersehbar ist Valéry würde mir zustimmen er schrieb in den Cahiers er verabscheue vorhersehbare Dinge die Musik nähme ihm seinen eigenen Spielraum weg da er

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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Articles
    oder Instrumental Pop zuversichtliches Werbe Musik Motiv TEXTCOLLAGEN UND LITERATURSAMPLING In den achtziger Jahren begann sich das Selbstverständnis des Hörspiels zu ändern Musiker wie Heiner Goebbels denen weder Pop noch John Gage fremd waren nutzten das Medium Radio zunehmend als Spielplatz konkurrierender ästhetischer Ideen eine Verbindung von zeitgenössischer Musik die sich über jeden Genrebegriff hinwegsetzt mit vorgefundenen literarischen Texten Heiner Goebbels verabschiedete sich in seinen Werken vom Begriff des Hörspiels und favorisierte stattdessen das Hörstück Inzwischen arbeiten Autoren wie Thomas Meinecke oder Andreas Ammer von Anfang an mit Musikern oder Komponisten zusammen und Musiker montierten ihre eigene Textcollage Ljteratursampling bei dem sich die zersplitterte Struktur eines Textes auch in einer Musik spiegelt welche die Idee von Kontinuität vorhersehbaren Akkordfolgen oder affirmativem Wohlklang hinter sich gelassen hat Heiner Goebbels Hörstücke sind in ihrer Anlage Collagen Aber diese Werke sind meilenweit entfernt von jeder modischen postmodernen Zitatkunst Denn aus der unendlichen Vielfalt der Segmente der Bruchstücke und Anspielungen entwickelt sich wieder so etwas wie eine geschlossene und in sich logische Form Eine die allerdings um die Verlogenheit und den Täuschungscharakter des Kohärenzgedankens weiss Hier begegnet sich das was sich nach den Gesetzen der Konvention ausschliessen müsste hier inszeniert Goebbels den musikalischen Widerstreit der Ideen und Ideologien Er entwickelt es direkt aus dem Klang und Gedankenmaterial selbst lässt die verschiedenen Wirklichkeiten für sich selbst sprechen In den Werken jener Autoren die nicht mehr die Grenzen ziehen zwischen Wort und Musik die keinem das Vorrecht über das andere einräumen finden nun die alten so verschieden geglaubten Sehnsüchte wieder zusammen an jenen Ort wo Sprache wieder Musik wird und der Klang zu sprechen beginnt Das gelingt wenn die Musik als Sprache erfahren wird die genauso zersplittert werden kann wie das Wort Wenn Sprechpfade durch einen collagierten Sound Dschungel gelegt werden wenn ein paar Takte Monteverdi

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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Articles
    Discography Media Texts Photos Performance history Articles Interviews Reviews Portraits Texts by HG Anthologies Previous page Thoreau in der Avantgarde Musik SFB Feature Essay in der Frankfurter Zeitschrift für Musikwissenschaft

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  • Heiner Goebbels - La Jalousie - Info
    Discography Media Texts Photos Performance history Music Theatre Staged Concerts Compositions Installations Exhibitions Radioworks Complete Catalogue of Works La Jalousie La Jalousie Geräusche aus einem Roman sounds from a novel Info Details Reviews Texts Past dates Frankfurt am Main Germany

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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Articles
    ihrer Arbeit gemacht haben Work in progress im reinsten Sinn des Wortes Erst mit der Uraufführung manchmal sogar erst danach kristallisiert sich die endgültige Gestalt heraus die von nun an als das Werk in Umlauf ist Nun entsteht als Summe all dieser Erfahrungen auch die definitive Partitur Verleger und Veranstalter die lange in Unsicherheit gehalten wurden atmen auf Endlich ein verbindliches Dokument eine greifbare Partitur Doch die Atempause ist kurz denn bereits arbeitet Heiner Goebbels an einem neuen Projekt Das nächste Abenteuer steht ins Haus Bereits im Frühjahr 1999 hatte man sich erstmals getroffen Komponist Bühnenbildner Tonregisseur Interpreten Zwei Tage lang wurde improvisiert und experimentiert wurden Klänge Instrumentalaktionen und Situationen ausprobiert Lichteinstellungen und musikalische Bruchstücke aufeinander abgestimmt Dabei konnte jeder seine eigenen Ideen einbringen ein gemeinsames Wühlen im grossen Materialtopf der mit der Grunddisposition sechs Schlagzeuger Szene Licht Sampler Mikrophonierung gegeben war Mit vielen Anregungen Notizen und Aufzeichnungen ging Goebbels damals nach Hause Ein Material und Ideenfundus aus dem in einem anderthalb Jahre dauernden Denkprozess die konkreten Umrisse des Werks heranreiften In der inneren Vorstellung des Komponisten verbanden sie sich unwillkürlich mit der zeitgleichen Lektüre eines Buchs das ihn vor allem von seiner Erzählhaltung her faszinierte In jedem Abschnitt in der ganzen Wortwahl wird eine respektvolle Rücksichtnahme ein vorsichtiges Zurücktreten vor etwas beschrieben Selten die Sache selbst Es ist eine um grosse Diskretion bemühte Schreibhaltung Mich verblüffte wie eine körperliche oder geistige Haltung eine Lebenshaltung sich in Wortwahl und Syntax manifestieren kann Wann taucht das Subjekt im Satz auf wie wird sein Erscheinen hinausgezögert usw Im Nachhinein spürte er dass er hier das Modell für seine Herangehensweise an das neue Stück gefunden hatte Nicht auf die Schlaginstrumente draufhauen sondern sich ihnen indirekt mit Vorsicht und Sensibilität nähern Den Titel des Buches will Goebbels nicht nennen denn er will nicht das Missverständnis einer Literaturvertonung aufkommen lassen die es hier gar nicht gibt Einen konkreten Hinweis auf den Text liefert nur der Titel Meme soir das Buch enthält eine Tagebuchaufzeichnung die so überschrieben ist Etwas von der Beiläufigkeit Flüchtigkeit dieses Augenblicks möchte er in seiner Musik wiedererkennen Es geht in diesem Stück nicht um symbolisches Theater um das Als ob einer erzählten Botschaft sondern um das Vorzeigen von konkreten Materialien Aktionen und Haltungen Sie werden sicht und hörbar gemacht beginnen gleichsam in direkter Rede zu sprechen Die Percussions de Strasbourg haben schon einige Erfahrungen mit halbszenischen Stücken gesammelt doch so frei und souverän wie hier haben sie noch nie agiert Von der Peinlichkeit die sich manchmal einstellt wenn sich Musiker schauspielerisch betätigen müssen keine Spur Wie kaum ein Zweiter versteht es Heiner Goebbels seine Interpreten aus der Reserve zu locken und ihre ganz individuellen Eigenschaften zur Entfaltung zu bringen Damit befreit er sie aus der Rolle der bloss Nachvollziehenden die einem fremden Willen unterworfen sind und macht sie in gewisser Weise zu Mitautoren Negativbeispiele hat er genügend beobachten können Man kann im Theater oft sehen dass der Regisseur eine bestimmte Idee hat aber nicht in der Lage ist sie mit den Beteiligten

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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Articles
    einen bestimmten Umgang mit Texten der nicht nur in seinen Hör und Musiktheaterstücken sondern auch in seinen Instrumentalkompositionen präsent ist Texte versteht er als Herausforderung an die Komposition 23 Wenn ich mit Texten arbeite bestehen drei Viertel der Arbeit darin die Texte zu analysieren immer wieder zu bearbeiten und auf verschiedene Parameter zu untersuchen das Komponieren ist für mich der geringste Teil des ganzen Prozesses 24 Obwohl die initiale Selektion seiner Texte immer eine inhaltlichthematische Komponente hat liegt ihm der Materialcharakter der Texte 25 ihre Architektur besonders am Herzen Für die Auswahl benutzt er unter anderem eine Art Textintuition Ich schlage Bücher auf suche nach Brüchen in der Typographie nach Photographien nach Änderungen im Satzspiegel Oft ist da ein Impuls der eine Kettenreaktion nach sich zieht Die Materialien die miteinander zu tun haben finden zueinander 26 Hinsichtlich der Beziehung von Text und Musik sucht er nach Verfahrensweisen jenseits der semantischen Lesart 27 Er erkundet verborgene Qualitäten des Textes wie Rhythmus Gestus Syntax die sich hernach in der Musik niederschlagen Inhaltlich interpretative Dopplung von Texten durch Musik oder auch Bühnenaktion verweigert Goebbels grundsätzlich Direkte Textvertonungen im traditionellem Sinne sind bei ihm zumindest im Deutschen selten zu finden Posatexte werden oft von Sprechern gelesen oder von Schauspielern gesprochen und autonom über oder zwischen die Musik gesetzt Da er in seinen Kompositionen stets darauf besteht den Hörer dazwischen zu lassen und zur assoziativen Rezeption zu ermutigen müssen Texte Platz für Musik lassen Ein solches Verfahren braucht entweder den Luxus der kurzen Texte 28 die er unter anderem bei Büchner Kleist Kafka und Müller findet oder die Verwendung von Textfragmenten So arbeitete Goebbels in seinen Hörstücken vorrangig mit Texten von Heiner Müller während er für Musiktheaterstücke wie Die Wiederholung für Klavier E Gitarre Sampler und Schauspieler nach Motiven von Sören Kierkegaard Alan Robbe Grillet und Prince 1995 Max Black mit Schauspieler André Wilms nach Texten von Paul Valery Georg Christoph Lichtenberg Ludwig Wittgenstein und Max Black 1998 und Ou bien le débarquement désastreux Oder die glücklose Landung mit Boubakar Djebate für einen Schauspieler Kora Gesang Posaune Gitarre Daxophon und Keyboards nach Texten von Joseph Conrad Heiner Müller Francis Ponge 1993 Texte aus verschiedenen Quellen zusammenstellte Ein seltenes Beispiel für die Verwendung langer Texte finden wir in dem fünfteiligen Hörstück Wolokolamsker Chaussee 1989 Die als Monologe verfassten Texte von Heiner Müller zeichnen signifikante Einschnitte in der Entstehungs und Entwicklungsgeschichte der DDR anhand des Problems des inneren Feindes nach Der fünfte Teil des Zyklus Der Findling hat die Konfrontation eines jungen Dissidenten mit seinem parteitreuen Ziehvater zum Thema der im Begriff ist ihn der DDR Staatsgewalt auszuliefern Diesen zornigen Monolog lässt Goebbels von Ernst Stötzner 16 Minuten und 20 Sekunden lang durchsprechen und schafft dazu zusammen mit der Frankfurter Hip Hop Gruppe We Wear The Crown einen durchlaufenden stark rhythmisierten musikalischen Hintergrund Dieser gesteht dem Text genügend Selbständigkeit zu setzt ihn aber durch eine Mischung von Musikzitaten aus der ostdeutschen Politkultur und Hip Hop Feeling in einen reflektiven neunziger Jahre Kontext Goebbels geht es hier um die Übersetzbarkeit der politischen Perspektive für uns durch rabiate direkte Übertragung in kulturelle Bereiche die hier zu Hause sind konkret durch die Arbeit mit musikalischen Kollektiven in meinem Lebensbereich Frankfurt 29 In dieser Kontextualisierung erreicht er eine Distanz zu dem 1987 geschriebenen und auf die konkrete politische Situation in der DDR Ende der 60er Jahre bezogenen Text und ermöglicht zugleich dem gegenwärtigen Hörer eine Identifizierung mit dem Konflikt zwischen reaktionären und progressiven politischen Positionen Hinsichtlich kritisch assoziativer Rezeption misst Goebbels der Distanz stets größere Bedeutung bei als der Nähe Sowohl im Verhältnis von Text und Musik Text und Aufführungskontext als auch später im Bezug verschiedener szenischer Mittel aufeinander entwickelt er Distanzierungsverfahren die des kreativen Zusammenschlusses der einzelnen Teile im Rezeptionsprozess bedürfen Die Verdoppelung beziehungsweise Vervielfachung langweilt die Distanz der Abstand zwischen den Dingen reizt den Zuschauer das Auseinanderdriften aufzuhalten zusammenzudenken 30 So versucht er z B die Identität zwischen Sprache und Sprechenden zu irritieren bzw zu spalten 31 indem z B in Verkommenes Ufer der komplexe Müller Text von Strassenpassanten spontan gelesen wird oder das Statement eines Rechtsradikalen in Ohne dass ich sagen würde ich bin der neue Führer im Repertoire des Sogenannten Linksradikalen Blasorchesters ohne Erklärung in offensichtlich linkem Kontext vorgetragen wird Eine andere Form der Distanzierung ergibt sich durch die Verwendung von Texten in verschiedenen Sprachen ein Verfahren das bereits in Cassiber praktiziert wurde und von dem Goebbels später ausdrücklich in seinen Musiktheaterstücken Gebrauch machte Seit 1976 somit parallel zu seiner Arbeit mit dem Sogenannten Linksradikalen Blasorchester und der Duo Arbeit mit Alfred Harth schuf Heiner Goebbels Kompositionen für Bühne und Film Bereits 1982 konnte er auf über 20 große Bühnenmusiken verweisen Er arbeitete mit Regisseuren wie Peter Palitzsch Hans Neuenfels Manfred Karge Matthias Langhoff Claus Peyman und Ruth Berghaus auf den Schauspielbühnen von Frankfurt Main Berlin West Bochum Wien u a 1978 wurde er von Peter Palitzsch für zwei Jahre als musikalischer Leiter an das Schauspiel Frankfurt geholt In seinen Bühnenmusiken lotete er unkonventionelle Bezüge von Theater und Musik aus So beispielsweise in der 1980 im Bochumer Schauspielhaus realisierten Karge Langhoff Inszenierung Marie Woyzeck 1980 in der die Musik von den Schauspielern selbst aufgeführt wurde und die somit gewissermaßen zum Vorläufer des Musiktheaterstücks für Ensemble Schwarz auf Weiß 1996 gerät in der die Musiker szenisch agieren Wichtige Erfahrungen mit Ensemblekomposition Bandarbeit und dem Einsatz von Improvisatoren unter repetitiven Aufführungsbedingungen können bei Goebbels auf sein frühes theatermusikalisches Schaffen zurückverfolgt werden Letztlich habe ich von daher auch mein kompositorisches und tonstudiotechnisches Know how 32 Diese langjährige Erfahrung mit Bühnenmusik und eine daraus resultierende hauptsächlich das Text Musik Verhältnis betreffende Aversion gegen die meisten Inszenierungen an denen ich beteiligt war 33 inspirierten Goebbels seine eigenen Vorstellungen von Musiktheater zu verwirklichen In diesem Zusammenhang wendet er sich insbesondere gegen die tradierte hierarchische Gepflogenheit deutscher Theaterpraxis alle szenischen Komponenten einer textbezogenen Handlung unterzuordnen Im Unterschied dazu besteht Goebbels auf einem gleichberechtigten Umgang mit verschiedenen Theatermitteln So verweigert er die Dopplung des Ausdrucks durch die gegenseitige illustrative Bedienung szenischer Mittel und verschmäht deren Gebrauch als bloße Begleitung und Stützung des Textes sei es als Verstärkung Bebilderung oder Psychologisierung Für ihn ist der Text nur ein Aspekt im Geflecht szenischer Ausdrucksmittel die er in ihrer kreativen Besonderheit und Autonomie zu rekonstituieren sucht In der Absicht mit allen szenischen Mitteln Licht Raum Text Geräusch Musik Aktion eine Balance zu schaffen 34 lehnt er jedoch ein harmonisches Gesamtkunstwerk strikt ab und intendiert hingegen eine spannungsvolle Beziehung gleichberechtigter Teile aufeinander das schillernde kräfterespektierende Zusammenspiel in einer Balance der Mittel 35 Zur Umsetzung dieser Konzeption entwickelte er eine kollektive Arbeitsweise wonach er nach umsichtiger Auswahl der Hauptakteure alle am Stück Beteiligten Musiker Schauspieler wie auch Bühnentechniker Tontechniker Beleuchter Kostümbildner Szenenbildner Pyrotechniker etc zu einem Arbeitsworkshop versammelt um zu thematischen Vorgaben Ideen für das Stück zusammenzutragen auszuprobieren und Inszenierungsmöglichkeiten zu eruieren Alle Teilbereiche können so ihre Ansprüche und Ideen geltend machen ihre spezifischen Fähig und Fertigkeiten einbringen denn Goebbels zufolge kann Einer allein das alles gar nicht mehr erfinden 36 Dieser Arbeitsansatz führte über die Jahre zu wiederholter Zusammenarbeit mit Raum und Lichtgestaltern wie Erich Wonder und Jean Kalman und kreativen Schauspielern wie André Wilms und Ernst Stötzner Zugleich initiiert ein solches Vorgehen aber auch eine permanente Suche nach neuen Kooperateuren an deren spezifische Beiträge und Talente die jeweiligen Stücke oftmals gebunden sind Seine Ideen und Inspirationen findet Goebbels oft im nichttheatralischen und musikalischen Umfeld So engagierte er zum Beispiel für Ou bien le débarquement désastreux 1993 den senegalesischen Koraspieler und Sänger Boubakar Djebate die senegalesische Sängerin Sira Djebate und den Québecer Gitarristen René Lussier für Die Befreiung des Prometheus Fassung für Schauspieler Schlagzeug Klavier Sampler Stimme u a 1993 den New Yorker Vokalvirtuosen und Schlagzeuger David Moss und für Hashirigaki Musiktheater für drei Darstellerinnen nach Texten von Gertrude Stein und Songs von Brian Wilson 2000 die japanische Shamisen Spielerin Yumiko Tanaka Der initialen Auswahl und Sammelphase folgt eine Arbeitsphase in der das zusammengetragene Material von Goebbels gesichtet wird und die dramaturgische und musikalische Komposition Gestalt annimmt Hernach geht das Stück in die eigentliche Probenphase ein Inszenatorische und musikalische Veränderungen werden noch bis zum letzten Moment vorgenommen Diese Arbeitsweise wendet Goebbels sowohl bei Theaterinszenierungen mit kleiner Besetzung an als auch bei Instrumentalwerken mit Ensembles wie z B dem Ensemble Modern in Schwarz auf Weiß Musiktheater für Ensemble 1996 oder Les Percussions de Strasbourg in même soir am selben Abend szenisches Konzert für sechs Spieler 2000 Für die 1995 entstandenen Bühnenproduktion Die Wiederholung Musiktheater für Klavier E Gitarre Sampler und Schauspieler nach Motiven von Sören Kierkegaard Alan Robbe Grillet und Prince engagierte Goebbels die kanadische Pianistin und Performancekünstlerin Marie Goyette den New Yorker noise art Gitarristen und Violinisten John King und den belgischen Schauspieler Johan Leysen Nach Auszügen aus dem gleichnamigen Essay des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard begleitet von einigen Passagen aus dem Tagebuch des Verführers und Die Tagebücher und Romanzitaten und Filmdialogen von Alain Robbe Grillet Djinn Scène Projet pour une révolution à New York L année dernière à Marienbad entwickelt Goebbels in 34 Szenen und Fragmenten ein Spiel um Wiederholung Liebe Verführung Heimlichkeit und Zweisamkeit Verschiedene Formen des Sampling bilden das Rückgrat dieses Stückes Text Sampling als Bezug auf die genannten Literaturquellen Sampling von Songs des Popsängers Prince CD Graffiti Bridge 1990 und Filmmusiken und akustisches Live Sampling klassischer Klavierzitate Mit Zitaten aus Klavierwerken Bachs Beethovens Schuberts Brahms und Chopins greift Marie Goyette auf eine musikalische Strategie zurück die für das Shopping Projekt 1994 von Jon Rose entwickelt wurde und später eine Grundkomponente des 1994 in Frankfurt uraufgeführten Sampling Projekts P53 Chris Cutler Lutz Glandien Otomo Yoshihide Zygmunt Krauze Marie Goyette stellte Als Kontrast zum akustischen Klang des Klaviers setzt Goebbels John Kings Noise Improvisationen auf der E Gitarre Beide Stimmungen strukturierte akustische Klaviersampels und die freie geräuschvolle E Gitarren Improvisationen in Verbund mit diversen aus dem Off eingespielten Pop und Filmmusiksamples bilden das musikalische Material aus dem Die Wiederholung entwickelt wurde In der Verwendung von Sampling Material verschiedenster Art kommt ein kompositorisches Grundprinzip zum Ausdruck über das Goebbels 1988 in dem Schlüsseltext Prince and the Revolution theoretisch reflektierte Er geht von der Tatsache aus dass unter heutigen Bedingungen des musikalischen Überflusses und des sofortigen digitalen Zugriffs darauf uns die gesamte Klangwelt Musikgeschichte und Gegenwart elektronische und Umweltklänge als Kompositionsreservoir zur Verfügung steht und Materialinnovation als kompositorisches Grundparadigma definitiv zurücktritt In genereller Perspektive muss man davon ausgehen dass alles denkbare und bis vor kurzem noch unvorstellbare musikalische Material entdeckt erobert ist und keine materialimmanenten Fortschreitungen mehr möglich scheinen die Instrumente ihre Beherrschung und Überschreitung sind an Grenzen angelangt und die Verfügbarkeit über alles Klangliche ist insbesondere unter Berücksichtigung der digitalen Speicher Sample Computer grenzenlos Es scheint tatsächlich im Reichtum der Erfindung das Material betreffend im Moment kaum eine Steigerung denkbar 37 In diesem Sinne kann sich Das Eigene nunmehr nur durch Verschiebungen artikulieren 38 Obwohl diese Auffassung die Avantgarde Konzeption der Moderne unverkennbar in Frage stellt und in E Musikkreisen noch immer umstritten ist dominiert sie bereits seit geraumer Zeit den Großteil gegenwärtigen Musikschaffens Werke wie Die Wiederholung zeigen deutlich dass dieser Ansatz einen kreativen Anspruch keinesfalls hinfällig macht und ebenfalls ganz besondere kompositorische Fähigkeiten voraussetzt Ich bin gezwungen auf eine viel radikalere Weise als konventionelle Komponisten die mit einer überschaubaren Menge von Klangmöglichkeiten arbeiten Kriterien zu entwickeln für die Auswahl von Klängen und Instrumenten 39 Die Arbeit mit Fragmenten und die diesbezügliche Anwendung kompositorischer Verfahren wie Selektion und Kompilation fördern die Herausbildung neuer Kompositionskriterien und Fähigkeiten Auswahl und Sammlung als einzige Zugriffsmöglichkeit auf das vorhandene gigantische Klangkontinuum erheischt Offenheit gegenüber anderen Musikbereichen die sich auf Inklusivität statt Exklusivität stützt und eine geschärfte Wahrnehmung erfordert Zusammenstellung Kompilation Komposition als Weg die ausgewählten Versatzstücke für neue Kompositionen nutzbar zu machen neu zu strukturieren zu re kontextualisieren verlangt Gespür für Verträglichkeit und Unverträglichkeit verschiedensprachigen musikalischen Materials und die imaginative Projektion einer Perspektive auf das Vorzufindende in anderen als den bekannten Kontexten 40 Beide Verfahren sind weder zwangsläufig formal noch beliebig Mit besonderem Bezug auf Außermusikalisches sind Goebbels musikalische Selektion oft an spezifischen Interessen oder Themen orientiert Entgegen weitverbreiteter Beliebigkeit im Umgang mit Fragmenten vertraut er den spürbaren internen Kohärenzen und inhaltlichen Zusammenhängen einer solchen Auswahl auch wenn sie vom Hörer nicht bewusst dechiffrierbar sind 41 Durch das kollektive Arbeitsverfahren in der Anfangsphase seiner Produktionen erweitert Goebbels sein kreatives Einzugsgebiet über seinen eigenen Horizont hinaus und schöpft erklärtermaßen aus den Erfahrungen und Ideen vieler Als wichtige Kompilationshilfe dient ihm die Improvisation die er als kreativen Motor als kompositorischen Impuls als Materialausgabe 42 begreift als strukturbildende Kraft jedoch meidet Die Arbeit mit Fragmenten und Zitaten impliziert einen Paradigmenwechsel im Verständnis zeitgenössischen Komponierens der zunächst die Haltung zum musikalischen Material und dessen Handhabung betrifft zugleich jedoch unverkennbar neueste musiktechnologische Entwicklungen reflektiert Zeigt sich Sampling als Kompositionshaltung bei Goebbels bereits in seinem prä digitalen Kompositionsstadium ungefähr vor 1984 wo er Sampling Techniken sowohl live als auch mit Mitteln der analogen Bandcollage realisiert wie z B in Rote Sonne für das Sogenannte Linksradikale Blasorchester 1976 in Berlin Q Dammfür Tonband 1981 in Cassiber Stücken wie In einer Minute Und ich werde nicht mehr sehen 1984 in frühen Hörstücken wie Die Befreiung des Prometheus 1985 und in vielen Bühnenmusiken so wird ihm später der Sample Computer zum unabdingbaren Kompositionswerkzeug Er ermöglicht ihm Klänge und Zitate nicht nur mühelos zu kompilieren sondern diese auch in Realzeit auszuprobieren quasi hörend zu komponieren Lutz Glandien Man kann den verzerrten Klang einer Geige aber nicht erfinden man kann ihn nur ausprobieren Darum hat das Komponieren bei mir immer auch mit Ausprobieren zu tun und weniger mit inneren Klangvorstellungen 43 Ich reagiere zuerst einmal auf schon vorhandene Klänge Das sind also mehr Reaktionen Konfrontationen Zusammenstellungen als Erfindungen 44 Auch in den Aufführungen selbst ist der Sampler als Klangreservoir und Vermittler unterschiedlicher Musiksprachen und Klangwelten präsent Um eine Balance zwischen Stereotypie und Lebendigkeit herzustellen folgt Goebbels der Maxime nie nur mit Samples zu arbeiten sondern ihnen immer live gespielte Musikanteile gegenüberzusetzen 45 So realisieren in Die Wiederholung die von Ali N Askin aus dem Off eingespielten und manipulierten Samples einen Großteil der Verbindung zwischen live gespieltem Klavier und E Gitarren Improvisation Filmsamples treffen auf klassische Klavierzitate feingliedrige Klaviermotive auf expressive Rhythmik Sampels Gitarrenimprovisationen laufen über geloopte Schlagzeugsequenzen der Takt einer live gelegten Passiance vereint sich mit einem livegespielten E Violinen Staccato und gesampelten Streicher Pizzicati Der Sampler liefert repetitive Klangteppiche für darüber laufende Klavier und E Violinen Improvisationen So entwickelt sich beispielsweise eine dreiminütige freie Klavierpassage über den eingespielten funkigen Rhythmus des Prince Songs Joy in Repetition oder eine einzelne gesampelte Bass Stimme spielt im Trio Verbund mit Klavier und E Gitarre Immer wieder aber verweisen die Sampleloops musikalisch auf das Thema die Wiederholung Die Verwendung der Samples erfolgt sparsam und präzise Der funkige Gestus des Prince Songs z B stellt ein durchgehendes Motiv Die musikalische wie auch die textliche Ebene dieses Musiktheaterstückes zeigt deutlich wie unprätentiös und raffiniert das Verschmelzen von Versatzstücken aus hoher und populärer Kultur realisiert werden kann Ein ganz anderes Sampling Verfahren benutzt Heiner Goebbels in dem 1998 entstandenen und im selben Jahr in Lausanne uraufgeführtem Einmann Musiktheaterstück Max Black mit Schauspieler André Wilms nach Texten von Paul Valéry Georg Christoph Lichtenberg Ludwig Wittgenstein und Max Black russisch US amerikanischer Naturwissenschaftler Die klangliche Dimension stützt sich hier ausschließlich auf im Gebrauch alltäglicher Gegenstände erzeugte Geräusche Diese werden von den Gegenständen elektronisch abgenommen und mit dem Live Sampling Verfahren LiSa das im Studio for Electro Instrumental Music STEIM in Amsterdam entwickelt wurde und mit dem viele Performance Künstler und Musiker seit Jahren experimentieren weiterverarbeitet Mit diesem Computerprogramm können live erzeugte Klänge als Samplematerial in Realzeit weiterverarbeitet werden Es versetzt den Darsteller des Stückes André Wilms in die Lage alltägliche Gegenstände zu spielen live erzeugte Geräusche wie das Schließen einer Schublade das Zischen einer Flamme oder die rotierenden Speichen eines Rades in Klänge Klangsequenzen und Musik zu verwandeln Die in szenischen Aktionen liveerzeugte und von Klangdesignern und Toningenieuren in Realzeit off stage bearbeitete Klanglandschaft verbindet sich mit pyrotechnischen Explosionen und Feuerspielen und den von André Wilms gesprochenen Textsplittern zu einem sinnlichen Kaleidoskop von Reflexionen über menschliche Neugier Ungefähres Erfinden Denken und eben Sinnlichkeit Wie in Max Black so trägt auch in Die Wiederholung die Verwendung von Musik und Textsplittern zum offenen fragmentarischer Charakter des Stückes bei Die 34 Teile der Wiederholung bestehen aus wenigen längeren Textpassagen versetzt mit kurzen Filmdialogen oder Episoden und kurzen Reflexionen Alle Texte sind akribisch ausgewählt und assoziativ zusammengesetzt so dass sich Referenzen zwischen ihnen wie von selbst herstellen Regen Zuspätkommen Unnahbarkeit und naheliegend Wiederholtes Alles greift ineinander setzt sich voneinander ab nicht zuletzt durch plötzlich ernüchternde Unterbrechungen durch Regieanweisungen aus dem Off eingefügte Szenenkommentare oder eine unvermittelt ausschweifende Kontemplation über die syntaktische Funktion des Doppelpunkts Stellen Reflexionen zum Thema Wiederholung deren Möglich und Unmöglichkeit oder gar Lust an Wiederholung das Grundthema des Stückes so wird dieses in der musikalischen und dramaturgischen Struktur besonders sinnfällig In ständiger Wiederholung werden die gleichen Texte und Ideen in ganz verschiedene Kontexte gestellt So wird die Szene Sie haben geklopft aus Robbe Grillets Filmskript Letztes Jahr in Marienbad wieder und wieder von verschiedenen Personen in unterschiedlichem Gestus gesprochen und so dem Zuschauer dreimal anders vorgeführt Die Worte wandeln ihre Bedeutung werden sie von einer Frau oder einem Mann gesprochen sind die Figuren in Licht oder Dunkelheit getaucht werden sie gelangweilt oder aufgeregt gesagt verweisen die Musik die Szenerie und die Kostüme und Perücken der Pianistin auf einen Salon des 19 Jahrhunderts oder ein Berliner Interieur tritt Marie Goyette als Femme fatale coole Geliebte oder gummibestiefeltes Mädchen auf In verschiedenen Sprachen klingen die gleichen Worte anders rätselhaft oder kalt amourös oder lässig Und so bestimmt Kierkegaards Aussagen auch scheinen Ich sah ein dass es keine Wiederholung gibt 46 in Goebbels Stück wird nichts unbefragt hingenommen alles bleibt in der Schwebe denn zu viele Bedeutungsebenen schieben sich zwischen die Zeichen 47 als dass der Sinn festgeschrieben werden kann Das Bühnenbild und die Beleuchtung von Erich Wonder tragen das Ihrige zur ständigen Veränderung von Szenerie und Stimmung bei eine Drehbühne mit einer gebogenen beweglichen Wand die durch verschiedene Öffnungen den Blick auf langsam

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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Articles
    einseitig Seine musikalischen Räume waren zunächst die Schauplätze politischer Protestaktionen dann sowohl die Spielstätten von Jazz und Rock als auch Bühne Film Hörfunk und Konzertsaal Goebbels steht quer zum Konzept vom immanenten rein musikalischen Fortschritt Die Orientierung auf individuelle Originalität hält er für historisch überholt Seine Phantasie entzündet sich an der Realität an Musik Filmen und vor allem an Texten Weil er sehr heterogene auditive Ereignisse die durch elektronische Medien grenzenlos verfügbar veränderbar und erfindbar sind auf bestimmte Sujets hin bündelt steht er polemisch gegen postmoderne Beliebigkeit Für ihn ist Dialektik der Umgang mit der Einheit und Durchdringung der Gegensätze bestimmend geblieben Er reagiert sensibel auf sozialhistorisch wesentliche Widersprüche und begreift wie Alexander Kluge das Politische als Intensität alltäglicher Gefühle Er komponiert nur wenn er etwas auf den Punkt bringen kann Statt aber damit Sinn und Wahrnehmungsweise autoritativ einschüchternd vorzugeben geht es ihm darum je konkret einen ideellen Raum mit akustischen visuellen und literarischen Rahmenbedingungen zu schaffen dessen Zentrum leer ist Er fordert sein Publikum heraus innerhalb der konglomerativen Strukturen die gestalterische Intention aufzugreifen und diese in selbständiger Auseinandersetzung mit dem angebotenen Wechselbad von Sinn Entzug und Sinn Gebung zu vielschichtiger eigener Erfahrung zu verdichten Die vielfach gebrochenen multimedialen Ereignisse

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