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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    familiar is appearing in such a strange context That ambiguity is central to Heiner Goebbels s new music theatre piece with music movement stage sets and projected images all conceived by Goebbels himself I Went to the House But Did Not Enter receives its world premiere at the Edinburgh Festival later this month The scene I saw with the bicycle will be part of it possibly It s another text I found by Kafka explains Goebbels and I might put it into the second part I m still looking for a different sort of rhythm here But I m not sure So with only two weeks to go Goebbels is still musing about whether to include a whole scene It s a situation that could induce mild panic but Goebbels seems immune to anxiety Nothing throws him not even my appearance which has clearly slipped his mind I wonder why I invited you he says I normally don t allow anyone to see my rehearsals But he asks the question in a musing way as if it were an interesting philosophical puzzle Goebbels s ability to put everyone around him at ease has been much needed in this production which on the face of it seems an outlandish yoking together of two worlds with nothing in common On the one hand there s the world s foremost vocal quartet with a sound exquisitely attuned to Renaissance music but increasingly attractive to living composers and jazz musicians such as Jan Garbarek and on the other one of the great theatrical innovators of our time a man who combines music movement video and texts in a way that defies narrative logic but creates a mysterious aesthetic coherence How did it come about We knew Heiner was interested in our work says countertenor David James the joking extrovert of the four He came to hear us in Porto The funny thing was he vanished afterwards without even saying hello Then we heard nothing for months but eventually we had a meeting where he told us what he had in mind and we agreed to give it a try In concert the Hilliard Ensemble have a modest almost monk like demeanour This suits the otherworldly purity of their sound but isn t it a handicap in a theatrical context No I love it says Goebbels That s why I wanted to work with them I don t ask them to create characters and one of the things in theatre I want to avoid is the identification of actors and a role It allows a really productive imaginative space to open up between them and us For me it s much more fruitful than an actor who wants to persuade you he is Hamlet And this also fits in with the texts I have chosen which are all to do with doubts and questioning about identity But how far should doubt go What if people start to think the four men on stage aren t

    Original URL path: http://www.heinergoebbels.com/en/archive/texts/interviews/read/405 (2016-02-13)
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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    live Die Klänge werden von fünf mechanischen Klavieren produziert aber auch von Rohren Steinen Metallplatten Wassertropfen usw Von Heiner Müller mit dem Sie sich früher stark beschäftigten zum biedermeierlichen Schriftsteller Adalbert Stifter scheint es ein weiter Weg zu sein Was hat Sie an Stifter gereizt wie sind Sie auf ihn gestoßen Die Empfehlung bekam ich vor 20 Jahren von einem Freund Seitdem trage ich ihn mit mir herum Und der Schein der biedermeierlichkeit trügt Stifter macht zwar viel mehr Worte als Heiner Müller aber gemütlich ist der noch lange nicht Und ich denke es gibt durchaus Gemeinsamkeiten z B die Leseerfahrung als eigene Realität zu begreifen Bei seinen Natur beschreibungen die wie bei Müller meist Katastrophen sind verlangt Stifter dem Leser nämlich eine Entschleunigung ab so als müsse der selber durch den vereisten Wald den er mit aller Formulierungskunst ausmalt Inwiefern kommen Texte von Stifter vor sind sie Inspirationsquelle werden sie zitiert oder interpretiert Einmal wird die Beschreibung einer dramatischen Winterlandschaft zitiert aber wesentlicher ist für mich sein präzis beschreibender aber nicht vereinnahmender Blick auf das Fremde als Motiv für unsere Arbeit Es gibt auch aktuellere Texte von Malcolm X Levi Strauss William Burroughs Das Stück wird auch performative Installation genannt Hat es mehr mit bildender Kunst zu tun oder ist es dem Theater immer noch nah Es ist und bleibt Theater aber es versucht die Spielräume unserer subjektiven Wahrnehmung wie man sie aus der künstlerischen Erfahrung kennt zu erhalten und den Blick der Zuschauer zu öffnen Sonst sehen wir im Theater doch oft nur ein Bild nämlich das der Interpretation des Regisseurs Kann ein Theater ohne Schauspieler überhaupt noch Theater sein Und was hat es dem herkömmlichen Schauspiel voraus Hat es ihm überhaupt etwas voraus Natürlich wird das nicht die Zukunft des Theaters Schauspieler sind dafür nicht nur unerläßlich

    Original URL path: http://www.heinergoebbels.com/en/archive/texts/interviews/read/527 (2016-02-13)
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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    Media Texts Photos Performance history Articles Interviews Reviews Portraits Texts by HG Anthologies Previous page Nichts ist schöner als eine leere Bühne Heiner Goebbels über seine Musiktheaterinstallation Stifters Dinge über Theater ohne Menschen Klaviere im Regen und die Einladung zum

    Original URL path: http://www.heinergoebbels.com/en/archive/texts/interviews/read/33 (2016-02-13)
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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    zwanzig Jahren mit mir herum Was hat Sie im Laufe des Arbeitsprozesses auf Stifter kommen lassen Es gibt bei Stifter einen großen Respekt vor dem Fremden Und Dinge nennt er alles was ihn durch die Materialität anspricht sich ihm aber auch nicht vollständig erschließen kann Dinge können bei ihm Gegenstände sein aber auch Naturkatastrophen wie ein starkes Gewitter oder auch fremde seltsame Menschen die ihm über den Weg laufen Daß er dafür dem Leser eine große Aufmerksamkeit abtrotzt wenn er zur Beschreibung dieser Dinge sehr viel Zeit beansprucht das hat mich fasziniert und hat viel mit diesem Projekt zu tun Für mich ist Stifter immer eine ganz dichte Übersetzung von sinnlicher Wahrnehmung in Sprache Sie haben recht es ist auch eine Ästhetisierung Es ist nicht so dass er glaubt man könne die Natur in den Text holen man muss sie natürlich in eine Ästhetik des Schreibens übersetzen Dafür braucht sie ihre Zeit und ihren Raum Das gilt auch für Stifters Dinge Wir verlangsamen das Szenische und das Publikum schaut z B dabei auch sehr langsamen Prozessen zu Wasser Nebel Regen Eis Wie es funktioniert daß sie das nicht als langweilig sondern im Gegenteil als hoechst aufregend erleben das habe ich so ganz auch noch nicht verstanden Sie öffnen den Blickwinkel Ja Vor allem dadurch dass es keinen Protagonisten gibt kein Zentrum Dadurch schweift der Blick kann selbst etwas entdecken und jeder kann seine eigene Aufmerksamkeit entwickeln Der ästhetische Wert ist dabei augenfällig aber können Sie die auch die Verbindung zur Gesellschaft definieren Respekt und Anerkennung des Fremden ist vor allem dann gefordert wenn es fremd bleibt Nicht erst wenn wir merken der Andere ist ja genau so wie wir Und im Theater spiegeln wir uns normalerweise nur identifizieren uns mit den Schauspielern Vielleicht ist auch deshalb die Auseinandersetzung mit fremden

    Original URL path: http://www.heinergoebbels.com/en/archive/texts/interviews/read/530 (2016-02-13)
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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    mache Oper nicht weil ich ein Libretto habe das ich Satz für Satz Akt für Akt umsetzen möchte Sondern ich versuche etwas herauszubekommen was ich vorher noch nicht kenne vielleicht eine Frage auf die ich gar keine Antwort habe Bei Landschaft mit entfernten Verwandten habe ich anfangs mit Blindtexten gearbeitet Auch bei Schwarz auf Weiß haben wir bei den ersten Workshops noch mit Gartenbautexten probiert Ihre Oper Landschaft mit entfernten Verwandten wirkt düster Textstellen lauten etwa niemand will lernen oder es ändert sich nichts Goebbels Das ist ein Missverständnis Wenn man Texte immer nur auf Ihre Inhalte abklopft denkt man vielleicht sie sind apokalyptisch oder katastrophisch Das ist ja auch der alte Nihilismus Vorwurf gegen Heiner Müller Dabei vergisst man aber den Humor und die Form der Texte Wenn Gertrude Stein schreibt history is repeating entbehrt das zwar nicht einer gewissen Melancholie aber sie tut das mit Ironie die das Gegenteil signalisiert Heiner Müller sagte einmal Die Utopie steckt in der Form Dort ist die Sprengkraft und die Herausforderung ans Hören Sie lassen in Landschaft mit Argonauten eine persische Sängerin einen alten Text von Edgar Allan Poe vortragen Wie kommt man auf solche Ideen die das Prinzip Oper anders denken Goebbels Ich versuche meine Verfahren in dem Material aufzufinden statt sie mir auszudenken Ich hasse Einfälle und versuche keine zu haben In dem Text Schatten hat Poe die Parabel in das alte Ptolemais verlegt Deshalb eine Stimme aus diesem Kulturraum Die Sängerin Sussan Deyhim lebte zufällig in der Nähe das Stück entstand ja in Boston und so hat sich vieles glücklich gefügt Der Zufall komponiert mit Goebbels Er spielt eine Riesenrolle Wenn ich nicht weiß wen ich für ein bestimmtes Projekt engagieren könnte bin ich mir inzwischen sicher dass ich ihn rechtzeitig vor Probenbeginn noch kennenlernen werde Das ist ja denkbar weit vom genialischen Komponisten entfernt der konzipierend arbeitet Wenn man sie mit Wolfgang Rihm vergleicht Goebbels mit dem ich gestern bei einem Konzert in der Alten Oper war Sie beide sind Jahrgang 52 sie beide haben mit Texten von Heiner Müller gearbeitet und sind doch grundverschieden Goebbels Ich vergleiche uns nicht und er tut das bestimmt auch nicht Wir sind so weit von einander entfernt Deshalb tun wir uns auch nicht weh Ich gehe vom gesprochenen Wort aus auch vom Rhythmus der Sprache daraus entwickle ich die musikalischen Formen Rihm dagegen kommt sicher eher über die Inhalte und sucht darin die Möglichkeit für die Expression und das allgemein Menschliche Womit er den üblichen Weg geht Goebbels Ich glaube dass in der Materialität eines Textes schon musikalische Potenzen stecken Das untersuche ich bevor ich dem etwas Eigenes überstülpe Das ist doch das Problem bei Opernregie und Theater In der Regel setzt uns dort ein Regisseur seine Sichtweise eines Stoffes vor Der gigantische Reichtum eines Textes oder einer Partitur schrumpft auf die klägliche Darstellungssucht eines einzigen Egos zusammen Das interessiert mich nicht ich möchte Texte mit Musik aufschließen und das dann anbieten den Blick auf sie öffnen nicht verengen Sie sitzen

    Original URL path: http://www.heinergoebbels.com/en/archive/texts/interviews/read/429 (2016-02-13)
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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    leise Klangquellen und große Entfernungen sind gleichzeitig möglich und durchhörbar und somit ist auch eine individuelle Raum gestaltung in der Studioabmischung machbar unterstützt von einer Vielfalt künstlicher Hall und Verzögerungsräume Zum Beispiel ist selbst innerhalb des Schlagzeugs ein anderer Klangraum für die snare möglich als für die Bassdrum usw Eine räumlich getrennte Instrumentierung die ja auch den Orchesteraufbau prägt ist auf diese Weise radikalisierbar Die Transparenz der Einzelklänge läßt dem Hörer andere Möglichkeiten und autonomere Spielräume er ist nicht mehr einem Raum ausgeliefert sondern muss und kann sich das jeweilige Stück aus den mannigfaltigen Möglichkeiten der verschiedensten Klangräume und vor allem der getrennten Instrumentationen überhaupt erst selbst synthetisieren Daß sich diese Erfahrungen zunächst auf die Popmusik beziehen soll uns nicht davon abhalten hinter diesem Hören möglicherweise ein moderneres und komplexeres Wahrnehmungskonzept auszumachen als wir es in der konventionellen Zentrierung und Verschmelzung des Klangs finden Die Möglichkeiten die sich daraus ergeben hat selbst die zeitgenössische E Musik bei aller Differenzierung und Komplexität der Werke noch kaum wahrgenommen Das hängt auch damit zusammen dass die Räume in denen sie aufgeführt wird immer noch dagegenanarbeiten Meine Kompositionen gleich ob für Ensemble oder für großes Orchester sind aus diesem ästhetischen Grund und nicht um lauter zu sein alle mikrophoniert Das ist aber in den großen Konzerthallen wegen der Eigenakustik und dem Verschwimmen des Klangs nur sehr schwierig zu realisieren Mir fehlen also erstens Räume die auch trockener sein können Zum Zweiten spielt der Gesichtspunkt der Inszenierung von Musik zum Beispiel mit Lichtkonzepten nicht nur in meinen szenischen Konzerten eine zunehmende Rolle Aber selbst die neuen Konzertsäle sind dafür immer noch nicht entsprechend ausgestattet Nennen Sie einen alten und einen neueren Saal der Ihren Vorstellungen von einem idealenAufführungsort für neue Musik nahekommt Heiner Goebbels Die Anforderungen Neuer Musik an das was die Räume bereitstellen oder möglich machen sollten lassen sich nicht auf eine einheitliche Definition reduzieren Wenn ich über meine Erfordernisse spreche zum Beispiel Licht Raum Mikrophonierung Life Elektronik dann sind zur Zeit die konventionellen alten oder neuen Theater Théâtre des Champs Élysées in Paris das Barbican in London das Haus der Berliner Festspiele das Bolschoitheater in Moskau u v a für meine Arbeiten günstiger als die entsprechenden Konzertsäle Royal Festival Hall in London Philharmonie in Berlin Köln u a Unter akustischen Bedingungen konnten wir auch mit kompletter Verstärkung z B der Berliner Philharmoniker im neuen Konzertsaal in Luzern gute Ergebnisse erzielen weil dort mit akustisch flexiblen Maßnahmen die Klang Laufzeiten verkürzt werden konnten die Decke lässt sich herunter fahren Vorhänge auf den Rängen können die Reflektionen reduzieren Hallräume lassen sich schließen etc Dagegen ist dort aber keine räumliche Flexibilität gegeben Ein weiteres Problem stellt in vielen Konzerthallen die Untersicht dar das Publikum im Parkett sitzt in vielen Fällen zu tief ist oft fast ohne Steigung hintereinander gereiht so dass der Blick der Zuschauer nur bis zur vordersten Reihe der Musiker reicht Eine Podesterie auf der Bühne für Bläser und Schlagzeuger ist in der Regel nicht hoch genug um sie sichtbar zu machen Ein neuer

    Original URL path: http://www.heinergoebbels.com/en/archive/texts/interviews/read/45 (2016-02-13)
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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    ging es um die Auseinandersetzung mit der Fremde Der zweite war ein Ausflug in die Wissenschaft Der dritte Teil über die Menschen und ihr Verhältnis untereinander beruht auf Texten von Elias Canetti ist ganz seinem Blick überlassen Canetti französisch Ergibt sich daraus eine neue andere Lesart HEINER GOEBBELS Die Sprachwahl hat zunächst pragmatische Gründe Ich arbeite mit dem französischen Schauspieler André Wilms und die Inszenierung war in der französischen Schweiz Doch hatte Canetti auch auf das Deutsche einen fremden Blick Er schreibt es fast gegen die Grammatik Vielleicht ergibt sich in Zürich ein zusätzlicher Gewinn indem in den Untertiteln die gelesene Sprache erscheint und die gesprochene Sprache als etwas Fremdes Neues wahrgenommen werden kann Ein neuer Blick HEINER GOEBBELS Canetti würde sicher sagen dass jeder Abstand gut tut Das mache ich in meiner Arbeit zum Thema Abstand um das Publikum zu motivieren Die Bühne wird vom Publikum besetzt weil es nie genau das sieht was es erwartet In welcher Beziehung steht die Musik zu den Texten HEINER GOEBBELS Sie bleiben sich trotz aller Nähe fremd Das Vermischen der Disziplinen war Ca netti fremd Musik hat die Rolle den Platz zwischen den Worten offen zu halten Sie schafft Zeit und Raum

    Original URL path: http://www.heinergoebbels.com/en/archive/texts/interviews/read/47 (2016-02-13)
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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    Deubel tun das zu verhindern Aber ich kümmere mich tatsächlich auch um technische logistische und ökonomische Details oft zum Leidwesen der Produzenten Worin liegt die voraussetzungslose Zugänglichkeit Ihrer Werke Ein Stück das klug gemacht ist muss nicht damit hausieren gehen sondern darauf angelegt sein zugänglich zu bleiben selbst wenn die Vorbereitungen sehr gründlich sind Mein Hauptmotiv das Geheimnis der Leichtigkeit und damit die Antwort auf Ihre Frage ist vielleicht die Tatsache dass ich einem rein semantischen intellektuellen Zugang misstraue Was eine sinnvolle Erfahrung sein soll muss auch durch den Körper gehen Das schliesst Komplexität nicht aus Weil meine Stücke immer mehrere Zugänge erlauben erlauben sie auch dass man zum Beispiel in Max Black einer philosophischen Passage von Paul Valéry gerade nicht folgen kann Ich kann es selber nicht Stattdessen verfolgt man das Schattenspiel der Gestik auf der Rückwand der Bühne das auch etwas erzählt oder den Rauch über der Szene Weshalb aber eine Passage in ein Stück einbauen der man nicht folgen kann Die Leute haben erst immer den Eindruck sie müssten alles verstehen Das heisst ich muss ihnen gleich zu Beginn eines Stückes klar machen dass es auch Bilder dass es Klänge gibt ich muss das Publikum dazu überreden das als Freiheit zu erleben Im Programmheft des Lucerne Festival wurden Sie als Anti Komponist bezeichnet Was denken Sie darüber Nicht zu leugnen ist dass ich mich in vielen Kriterien von dem was man gemeinhin unter einem Komponisten versteht unterscheide Aber ich opponiere nicht gegen etwas sondern argumentiere mit einem weiteren Begriff von Komposition Ich arbeite nicht nur als Komponist sondern auch als Theatermacher in Eraritjaritjaka kommt so gut wie keine Musik von mir vor Aber auch als Komponist arbeite ich nach Methoden mit denen ich mir nach herrschenden Kriterien die Hände schmutzig mache Ich habe viel funktionale Musik geschrieben für Ballett für Film für Theater Ich arbeite auch kreativ zusammen mit andern Musikern Afrikanern Griechen Japanern und überlasse ihnen grosse Spielräume Für mich muss nicht jeder Ton mein eigener sein Wollen Sie damit herrschende musikalische Kriterien und Hierarchien unterwandern Ich glaube gar nicht dass man Musik nur für sich betrachten kann Selbst ein Konzert ist immer auch ein performativer ein theatralischer und visueller Akt Es ist die Frage ob ein Konzert in hundert Jahren noch so aussehen wird wie heute Obwohl die Zeichen für eine Änderung schlecht stehen weil die Konzertsäle heute immer noch ausschliesslich für die Konzertmusik des 19 Jahrhunderts gebaut werden wie zum Beispiel in Luzern Ich habe letztes Jahr zwischen zwei Proben in der Berliner Philharmonie etwas Wunderbares erlebt Zuerst wurde ein Stück von mir geprobt anschliessend das dritte Klavierkonzert von Beethoven mit Alfred Brendel Es wurde umgebaut das übliche Rein und Raus Die Orchesterwarte bauten die Schlagzeuge ab und so weiter Da entstand ungewollt und wohl von niemandem ausser mir bemerkt eine Performance Brendel hat am Flügel schon ein bisschen Beethoven geprobt parallel dazu hat Simon Stockhausen der in meinem Stück den Sampler gespielt hat noch einige Samples bearbeitet sehr rhythmische geräuschhaft mechanische und davon

    Original URL path: http://www.heinergoebbels.com/en/archive/texts/interviews/read/48 (2016-02-13)
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