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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    Waste Land Waterfall or another translation reads The Spoiled Shore You can see how he sees The Waste Land behind his writing So Black on White has a lot to do with the concept of quoting or gathering from a literary standpoint Did you use any musical quotations Not direct quotes except for the cantorial singing But there were stylistic quotations I don t consider myself as having a personal style so much as I have a method of working I can work with very different materials which means styles but the way I work is quite personal It ranges from ethnic music to pop or contemporary languages or jazz Other people consider Black on White to be a highly autobiographical piece which I wouldn t necessarily call it but you can find certain things that might be How so For example the brass band I had a political brass band in the 70s which sounded similarly bad In the piece you had a koto player get taken over by the converging brass band Did you have spatial considerations when you wrote that section That was intentionally supposed to move If you did it in the concert hall it wouldn t work but with the movement I love very much the privilege of working as both a composer and a director at the same time Sometimes while I am composing I think to myself okay let s hold the music back a while and spend some time developing the image I especially loved the piccolo which played a solo against the teapot That was my own personal teapot I ve had it for years I have that same teapot Really The one that plays the C major triad laughs Does this piece have a life outside the Ensemble Modern That s a crucial question I would love in a few years if other ensembles tried to adapt it even a bigger orchestra I wrote out the score which enables any ensemble to do it Did you have to devise any special notation No its pretty straight up Of course there are a lot of things you don t find in the score What is funny about this piece as one of the subjects of the work is collective memory is that it s so complex now that there s not one single person who knows every single detail The individual players know what they are doing where they go when do they put the kettle from this to the other side when they pick up the ball etc But there s nobody else who knows when they do it It s only this group that can put it together So this is the end of the line for this staging of Black on White Once the Ensemble Modern stops doing it it becomes a different work Yes If someone else did it would you want to stage it I would be curious to be out of it Would you consider

    Original URL path: http://www.heinergoebbels.com/en/archive/texts/interviews/read/64 (2016-02-13)
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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    einem festen Ensemble zur Verfügung gestellt Ob Frankfurt wirklich ein zweites Ensemble gebraucht hat darüber kann man sich streiten man kann sich überhaupt darüber streiten ob ein festes Ensemble in diesem Sinne ästhetisch immer noch von Vorteil ist wenn es sich nicht als selbstentscheidendes Kollektiv begreift wie das Ensemble Modern Vermutlich werden wir Gastspiele von Ihnen ohnehin bald im Schauspiel sehen Meinen Sie dass sich dort die Qualität mit der neuen Intendantin wieder verbessern wird Es kann nur besser werden Und es wird sicherlich spannender als das was wir in den letzten Jahren dort erlebt haben Ich wünsche der Stadt viel Glück mit Frau Schweeger Aber es ist doch eine verkehrte Welt Im jungen TAT wird mit Kühnel und Schuster ein eher traditionelles Theater angeboten während man ausgerechnet im alten Schauspiel mit der Schweeger einen avantgardistischen Neuanfang probt Ja aber das ist die falsche Fragestellung Man darf bei einer Stadt nie die Erwartung haben dass sie vernünftig entscheidet oder die naheliegenden oder sagen wir auch die ästhetisch spannenden Entscheidungen treffen wird Kulturpolitische Entscheidungen werden nie nach künstlerischen Kriterien gefällt Das sind nur politische Kriterien und finanzielle vertragspolitische Abwägungen Und wenn da mal eine gute Lösung dabei war war es in Frankfurt in aller Regel Zufall Jetzt kommen wir zum Thema inkompetente Lokalpolitiker über die Sie sich in der Vergangenheit oft ärgerten Damit haben Sie aber doch sicher nicht Herrn Nordhoff gemeint Den kenne ich gar nicht Wie Einer der renommiertesten Frankfurter Künstler hatte noch nie Kontakt mit dem Frankfurter Kulturdezernenten Doch ich bin ihm vor zwei Jahren einmal auf der Treppe begegnet Da sagt er zu mir Wir werden noch viel zusammen machen Dann habe ich aber nie wieder etwas von ihm gehört Aber es gibt vielleicht im Moment auch keinen Grund dafür Ich hatte nie so ein Verhältnis zu der Stadt zu denken die müsste für uns Künstler sorgen Das wäre auch falsch Auch eine Stadt die sogar kulturfeindlich oder zumindest inkompetent ist kann für die künstlerische Arbeit eine ganz anregende Herausforderung sein Das klingt ja so als würden Sie die mangelnde Unterstützung begrüßen Das ist nicht eine Frage von Begrüßen oder nicht Begrüßen das hat etwas mit einer realistischen Wahrnehmung zu tun Natürlich empfindet man das erstmal als kränkend wenn zum Beispiel meine beiden neuesten Stücke Hashirigaki und meme soir in Frankfurt nicht zu sehen sind Gleichzeitig ist es aber ein großes Kompliment wenn sie dafür in Rom Paris Moskau und in Berlin laufen Außerdem hofiert zu werden liegt mir eh nicht Das ist immer mit gesellschaftlichen Verpflichtungen verbunden und man muss zu tausend Empfängen gehen Das schenke ich mir lieber Kommen wir wieder zurück zu Ihrer Musik Hören Sie sich zum Beispiel wenn Sie abends nach der Arbeit entspannen wollen auch Goebbels CDs an Eigene CDs höre ich ganz ganz selten Das hat damit zu tun dass ich die Stücke während der Produktion natürlich relativ oft hören muss Hunderte mal Tausende mal Ich habe das nie gezählt Das Abmischen eines Stückes ist ja ein wunderbarer Vorgang Aber

    Original URL path: http://www.heinergoebbels.com/en/archive/texts/interviews/read/66 (2016-02-13)
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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    die herumreisenden Kritiker sind die das Stück schon gesehen haben Sind Sie ein Freund offener Strukturen Ja in dem Sinn dass ich ein inhaltliches Zentrum eher umstelle als es zu besetzen Vielleicht ist die offene Form eines der Hauptmerkmale dessen was ich versuche Offene Strukturen erfordern ein höheres Maß an Verantwortlichkeit und Präzision Ein Kunstwerk darf nicht fertig sein sondern es muss Raum lassen für den Zuschauer Aber wann ist Ihnen klar dass dieses Zentrum umstellt ist Oft weiß ich zu Beginn der Stücke nicht was da am Ende stehen wird Ich habe keine festen Vorsätze und keine feste Konzeption sondern lasse mich auf einen für mich hoffentlich überraschenden Prozess ein Surrogate Cities wurde im Jahr 2001 für den Grammy nominiert war aber schon 1994 fertig komponiert Ist das nicht eine zu lange Zeit für einen viel schaffenden Komponisten Im Gegenteil ich finde die Haltung meines Verlags sehr klug Natürlich wollte ich früher auch immer dass die CD möglichst schon auf dem Markt ist wenn die erste Tournee stattfindet Aber erstens werden die Stücke besser je öfter sie gespielt werden Zweitens ist Aktualität kein Gradmesser für Qualität Oft beweist sich erst in der Folgezeit ob eine Komposition wirklich haltbar ist und ob es überhaupt wichtig wird sie auf CD zu pressen Es gibt sowieso schon viel zu viele CDs Sie haben von Sir Simon Rattle einen Kompositionsauftrag für die Berliner Philharmoniker erhalten Spüren Sie schon jetzt einen Erwartungsdruck Merkwürdigerweise noch nicht aber das kommt bestimmt noch Erst mal ist es ein großer Anspruch diesen wunderbaren Klangkörper zu nutzen wenngleich ich in der Vergangenheit mit dem Ensemble Modern oder der Jungen Deutschen Philharmonie auch schon sehr verwöhnt wurde Kann ein so großer Raum wie die Philharmonie nicht die Intimität ihrer Arbeit beeinträchtigen Mein erstes Konzert in der Philharmonie war vor über

    Original URL path: http://www.heinergoebbels.com/en/archive/texts/interviews/read/65 (2016-02-13)
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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    keine Kritiken mehr lesen die von Wittgenstein und Valéry sprechen und damit das Publikum einschüchtern Ich wollte die Zuschauer zu einem Stück einladen das offener ist für Interpretation Ich bin vom Text ausgegangen dann kamen die Beach Boys dazu dann die japanische Musikerin mit der ich schon seit fünf Jahren zusammenarbeiten wollte und der Rest hat sich mir entsprechend aufgezwungen Das könnte zwar wie ein zu hochgestecktes Ziel aussehen aber ich glaubte eine starke Verbindung finden zu können welche die Elemente strukturieren würde Haben Sie Bob Wilsons Stücke nach Gertrude Stein gesehen Nur das letzte Saints and Singing das meiner Meinung nach die Musikalität von Steins Text nicht ausgenutzt hat Trotzdem war es Bob der in mir als er an Heiner Müllers Begräbnis aus The Making of Americans vorlas den Wunsch hervorrief Hashirigaki zu machen Sie arbeiten mit vielen Instrumentalstücken der Beach Boys Ausschnitten aus Making of Pet Sounds Sind sie ein Fan Ich liebe diese Scheibe seit 35 Jahren weil sie den Boden buchstäblich nicht berührt und das dank dem Bass der sonst fast nie die tragenden Noten im Akkord spielt Es ist ein sehr melancholisches Album hauptsächlich von Brian Wilson getextet komponiert und gespielt Weshalb ein Prosatext von Stein und nicht eines ihrer Stücke Man muss Stein auf Englisch lesen und nicht in einer französischen Übersetzung die 1000 Seiten auf 300 reduziert Man muss lesen wie sie sich wiederholt wie sie verallgemeinert und dabei einen banalen Familienroman in die Geschichte der Menschheit umwandelt Stein und Wilson haben diese typisch amerikanische leichte Melancholie die auch bei Roth Carver u v a anzutreffen ist Ja Steins Rhythmus gefällt berührt und ist grossartig Die europäische Melancholie nähert sich im Gegensatz zur amerikanischen immer schnell einer Depression Sind sie sich der Funktion ihrer guten Einfälle bewusst Ich bin den Regisseuren gegenüber misstrauisch

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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    plus lire de critiques parlant de Wittgenstein et Valéry et intimidant le public je voulais inviter les spectateurs à un spectacle plus ouvert à l interprétation Je suis parti du texte puis les Beach Boys la musicienne japonaise avec laquelle je voulais travailler depuis cinq ans et tout le reste s est imposé à moi au fur et à mesure Cela pouvait paraître ambitieux mais je pensais pouvoir trouver une relation forte qui structure ces éléments Aviez vous vu les spectacles de Bob Wilson d après Gertrude Stein Uniquement le dernier Saints and Singing qui à mon sens n exploitait pas la musicalité du texte de Stein C est néanmoins Bob qui m a donné envie de monter Hashirigaki car il a lu un extrait de The Making of Americans aux funérailles de Heiner Müller Vous utilisez de nombreux instrumentaux des Beach Boys extraits du Making of Pet Sounds Etes vous fan J aime ce disque depuis trente cinq ans parce qu il ne touche littéralement pas le sol et cela grâce à la basse qui ne joue presque jamais la note fondamentale de l accord C est un album très mélancolique car écrit composé et joué principalement par Brian Wilson Pourquoi un texte en prose de Stein et non pas l une de ses pièces Il faut lire Stein en anglais et non dans sa traduction française qui concentre mille pages en trois cents Il feut la lire se répétant généralisant et transformant un banal roman familial en histoire de l humanité Stein et Wilson ont en commun cette mélancolie light typiquement américaine présente chez Roth Carver Oui le rythme de Stein est plaisant touchant et extraordinaire La mélancolie européenne elle se rapproche rapidement de la dépression Etes vous conscient de la fonction de chacune de vos trouvailles Je

    Original URL path: http://www.heinergoebbels.com/en/archive/texts/interviews/read/68 (2016-02-13)
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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    Jahr rund 100 Aufführungen weltweit oftmals auch in den heiligen Hallen der Hochkultur Dabei sind Sie deren größter Kritiker Wenn Sie Repertoire Betriebe wie Oper und Stadttheater meinen ja weil ich in diesen schwerfälligen Institutionen nicht die Bedingungen finde die ich für ein zeitgenössisches Musiktheater brauche und zum Beispiel mit dem Ensemble Modern habe Meine Distanz zum subventionierten Kulturbetrieb bezieht sich jedenfalls nicht so sehr auf die Orchesterlandschaft Surrogate Cities war sicherlich nur für und mit der Jungen Deutschen Philharmonie als Auftrag zu deren 20 jährigem Bestehen vor sechs Jahren möglich und die Intensität mit der die jungen Musiker damals zwei Wochen lang Tag und Nacht dieses Stück zusammengesetzt haben war atemberaubend und hat zu der hohen Qualität der Aufnahme geführt auf die sich die Grammy Nominierung bezieht Ich habe mittlerweile aber auch mit vielen anderen Orchestern gute Erfahrungen gemacht Obwohl Sie in Surrogate Cities den meisten Ihrer Stücke mit Sampler und Lichteffekten arbeiten Ja Ich habe überrascht festgestellt dass es tatsächlich bei den Orchestermusikern ein großes Interesse gibt sich für diese Musik ins Zeug zu legen Ein Kontrabassist in Bologna hat mal zu mir gesagt Maestro das ist ja so schwer wie Mozart Vielleicht liegt das an Ihrem Sendungsbewusstsein das Sie in der Sponti Zeit entwickelt haben Damals begannen Sie Ihre Karriere mit der Straßenmusik des Sogenannten Linksradikalen Blasorchesters Ich habe damals Erfahrungen machen können die mir heute noch nutzen Ich habe zum Beispiel gelernt dass man über sein Stück mit Musikern diskutieren kann ohne sich als Komponist eingeschränkt zu fühlen Viele Ihrer Kollegen Dirigenten wie Komponisten halten von Demokratie in Orchestern wenig In der Sponti Zeit musste ich damit rechnen dass es der Klarinettist bis zur nächsten Demo nicht packt seine Stimme einzuüben Also lernte ich abzuwägen was wichtiger ist die Idee oder das richtige Konzert am richtigen Platz mit den richtigen Leuten Grundsätzlich offen zu sein für Anregungen der Musiker ist eine der zentralen Erfahrungen dieser Zeit für mich gewesen Umgekehrt müssen auch Orchester für Ihre mitunter unkonventionellen Methoden offen sein Genau Zum Beispiel wird bei den meisten meiner Konzerte das Orchester komplett mit Mikrofonen ausgestattet Manchen klassischen Musikern ist das auch heutzutage noch unangenehm da können sie sich nicht mehr hinter dem fünften Pult verstecken Star Dirigent Simon Rattle will dass Sie ein Stück für ihn und die Berliner Philharmoniker komponieren Werden die hohen Herren auch verkabelt Das habe ich mir als Option in den Vertrag schreiben lassen Bedeutet Ihnen der Auftrag von Simon Rattle mehr als der Grammy Er bedeutet auf jeden Fall mehr Arbeit Ich tue mich immer sehr schwer Ich komponiere gar nicht so gern und brauche immer sehr viel Zeit Ich weiß schon jetzt Es wird ein furchtbar schwieriger Prozess Es gibt ja Komponisten die aus Lust komponieren die sich jeden Tag an den Schreibtisch setzen und Noten aufschreiben Das ging mir noch nie so Deshalb arbeitete ich lieber nach Auftrag Wie Bach und viele andere Ihrer berühmten Vorgänger Den Altmeistern gingen die Vorstellungen ihrer Fürsten oft gegen den Strich Fürchten Sie

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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    man vorher noch nicht weiß was am Ende dabei herauskommt das ist eigentlich für mich immer die wichtigste Voraussetzung Deswegen lade ich zu einem sehr frühen Zeitraum die Beteiligten ein Die Freiheit die man in dieser Improvisationsphase hat ist wichtig Aber letztlich interessiert mich das im Ende nicht als beliebige Freiheit sondern immer nur als ein Mittel auf dem Weg zu einer intensiveren Wahrheit zu einem tiefenschürfenderen Vorgang Im Laufe der Zeit lernst du die Musiker besser kennen entdeckst Charaktere und wahrscheinlich auch neue Aspekte in der Musik Damit wären wir aber vielleicht auch bei dem dritten Punkt der mich an Improvisation interessiert Es gibt einige spielerische Register die einfach nicht mehr notierbar sind Etwas das durch Notation in der Ausführung immer zu brav klänge zu reglementiert zu akademisch Diese Problem kann man mit Tricks umgehen Man notiert z B so schwierig dass der Musiker es nicht spielen kann und die Unschärfe sich sozusagen aus dem Unvermögen ergibt Ich habe dies einmal gemacht aber es hat nicht gereicht Bill kann die hohe Trompetenstelle in der Chaconne trotzdem spielen Was entsteht durch Improvisation Mir ist immer der Ausdruck in der Musik wichtiger als die Ausführung Dafür kann das Improvisatorische ein ganz entscheidendes Register sein Improvisation hat bei mir nie eine strukturelle Kraft oder eine strukturelle Bedeutung Eher eine klangliche eine vitale oder eine geräuschhafte eine musikalische Farbe eine Intensität aber sie ist nicht strukturbildend Das lasse ich wenn ein Stück einmal fertig ist nicht mehr offen Du bist selber lang genug Improvisator gewesen lernt man das irgendwann Wie würdest du das aus deiner heutigen Sicht als Komponist sehen Wodurch passiert musikalisch etwas das man bereits vorher zu kennen scheint Das hat etwas mit der Distanzfähigkeit zu tun um eine Form zu bauen muss man sich von außen zuschauen können was ein kompositorischer Akt ist Jede Form verlangt einen Abstand um sie konstruieren zu können Inzwischen kann ich auf der Bühne kaum noch selbst spielen weil ich mir zu sehr zuschaue deswegen habe ich das nahezu komplett aufgegeben Und wenn ich hundert wunderbare Solisten kenne sind aber höchstens zehn dabei die ein Formbewußtsein haben Offenbar ist das ein Widerspruch der in der Person kaum zu versöhnen ist Eine Intensität aus einer expressiven improvisatorischen Geste heraus zu entwickeln und sich gleichzeitig distanziert zuzuschauen Heute ist es in der klassischen Musik so wie wir ausgebildet werden unüblich Erst seit den letzten Jahren gibt es an den Hochschulen vereinzelt Dozenten für Improvisation Die Alten Meister konnten konnten dieses Formgefühl mit der Improvisation verbinden Aber waren das Improvisatoren am Saxophon Nein es waren natürlich meistens Organisten oder Pianisten Cembalisten Die Verbindung des Körpers mit dem Blasinstrument ist eine viel direktere ungebrochenere unmittelbarere als über eine Klaviatur Das ist ein großer Unterschied Also mit viel mehr Bauch tatsächlich Die Möglichkeit dir selber zuzuschauen zuzuhören ist beim Blasinstrument bestimmt geringer als bei einem Klavier Weil es mehr mit dem Bauch zu tun hat mit der Atmung mit dem Singen Hat deine Beschäftigung mit Improvisation etwas mit der Aufbruchsstimmung

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  • Heiner Goebbels - Archive - Texts - Interviews
    mich noch die Kettenreaktion der Mittel bedeutete gerät vielleicht bei Hashirigaki eher ins Luftige Leichte Das schöne an meinem Publikum ist ja daß es das nicht gibt sondern es sich sehr unterschiedlich zusammensetzt viele kommen aus der Musik andere aus der Literatur oder der bildenden Kunst Am spannendsten ist es aber da wo mich überhaupt kaum einer kennt wie letzte Woche in Rom Welche von den zahlreichen Strömungen in der derzeitigen Musik halten Sie für entwicklungsfähig Es wird langsam interessant wieder auf die rhythmischen Möglichkeiten zu achten Die neue Musik in Europa hatte ja den letzen 50 Jahren einen großen Bogen um den Puls gemacht in Amerika war das sehr anders In den letzen fünf Jahren ist im subkulturellen Bereich bei Drum Bass sehr viel entstanden Das wird nicht ohne Resonanz in der zeitgenössischen Musik bleiben man spürt schon daß selbst Kollegen wie Wolfgang Rihm auch mal einem kontinuierlichen Rhythmus nachgeben was noch vor ein paar Jahren so nicht denkbar war Welche musikalischen Traditionslinien liegen ihnen besonders nahe Das ist sicher ein Zusammenspiel von biografischen Erfahrungen und Erlebnissen in die man unerwartet hineinstürzt Ich könnte nicht sagen ob es für mich wichtiger war in meiner Jugend fast ausschließlich Bach gespielt zu haben oder daß ich 1972 bei den Donaueschinger Musiktagen in ein Konzert von Don Cherry geraten bin Wahrscheinlich beides In einem der möglichen Zentren von Hashirigaki stehen Songs von den Beach Boys Sie stammen aus Pet Sounds von 1966 eines der größten Popalben des 20 Jahrhunderts und wirklich schon klassische Musik eine ungesättigte Musik ständig in der harmonischen Schwebe Sie löst sich nie in die Grundakkorde auf sondern verbleibt in dieser melancholisch harmonischen Ungewissheit Ein Stück dieses Albums habe ich 30 Jahre mit mir herumgetragen Und obwohl ich als Halbwüchsiger alle Songs nachspielen konnte war es mir damals nicht gelungen dieses eine Stück in seinen merkwürdigen Harmonieführungen zu greifen Mit Hashirigaki habe ich praktisch diese alte Sehnsucht wieder eingelöst was mir aber erst bei den Recherchen dazu klarwurde In Hashirigaki was auf japanisch sowohl schnelles Schreiben als auch rasches Laufen bedeutet geht es um Ortlosigkeit Ist das eine Voraussage Sicher ist es ein Zustand Bei Brian Wilson heißt es I just wasn t made for this times Immer wieder kommt ja das Gerücht auf daß das Theater als Institution überholt ist teilen Sie diese Meinung Das Theater ist einer der ganz wenigen gesellschaftlichen Orte wo man noch etwas im Ergebnis Unvorhersehbares erleben kann Der andere Ort an dem noch Überraschungen passieren liegt im Fußballstadion sehr zum Leidwesen der Frankfurter Eintracht Nur da wo es riskant ist und schiefgehen kann ist es auch spannend Selbst bei Formel 1 Rennen geht es nur noch um Hundertstelsekunden der Sieger steht im Prinzip schon fest Welche Theaterstücke finden sie derzeit riskant Das ist eine schwierige Frage Ich kann mit vielen Stücken die zur Zeit auf der Bühne zu sehen sind nicht viel anfangen Sie unterfordern das Publikum zu sehr weil sie zu aufdringlich sind und die Sprache zu wenig ernstnehmen Sie sagten in

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